In diesem Sinne pladierten bereits vor 25 Jahren LaFolette und Graham fur Meta-Ehrlichkeit in Beziehungen als Voraussetzung fur echte Intimitat

In diesem Sinne pladierten bereits vor 25 Jahren LaFolette und Graham fur Meta-Ehrlichkeit in Beziehungen als Voraussetzung fur echte Intimitat

  • Meta-Ehrlichkeit bezieht sich nicht nur auf die korrekte Darstellung einzelner Sachverhalte, sondern auf die gemeinsame Reflexion der eigenen Kommunikationsstile, einschlie?lich des Umgangs mit Ehrlichkeit und einer bestehenden Tendenz, bestimmte potentiell beziehungsbelastende Inhalte nicht aussprechen zu wollen.
  • Sprechen Beziehungspartner:innen hieruber, kommt es nicht zu einer sich selbst verstarkenden Unehrlichkeit, sondern Impulse zur Unehrlichkeit werden erkannt, benannt und dadurch gebannt. Ehrliches Verhalten kann so gemeinsam eingeubt werden.

Angstfreie Kommunikation

Gelingen kann die Etablierung von Ehrlichkeit in Beziehungen nur, wenn die Beziehungspartner:innen einen nicht-strafenden Kommunikationsstil praktizieren, der ihnen die offene Schilderung ihres eigenen Erlebens ermoglicht, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen zu mussen. Es geht darum, ohne Angst voreinander miteinander offen reden zu konnen.

Solch ein Stil stellt sich nicht von selbst ein, sondern explizite Vereinbarungen und die Einubung nicht-strafender Kommunikation sind erforderlich – schlie?lich ist dieser nicht-strafende Kommunikationsstil im Regelfall weit von dem entfernt, was Menschen in Beziehungen zuvor jahrelang oder gar jahrzehntelang praktizierten.

Negative Reaktionen auf Ehrlichkeit, wie Enttauschung, Arger, Wut bis hin zu Trennungsdrohungen sind zu haufig, als dass angstfreie Kommunikation ohne explizite Verabredung und Bemuhung mehrheitlich in Beziehungen spontan entstehen wurde.

Ehrlichkeit, Partnerschaft und Zufriedenheit

  • Obligatorische Regeln schreiben ehrliches Verhalten unter allen Bedingungen vor. “Wir erzahlen uns alles uber unserer vorherigen Beziehungen” ist ein Beispiel fur eine obligatorische Regel.
  • Ermessensregeln formulieren Ausnahmesituationen, in denen von Ehrlichkeit Abstand genommen werden kann: “Manchmal ist es besser, Dinge nicht zu erzahlen, um Konflikte zu vermeiden“. Wann dies “manchmal” gilt und wann nicht, liegt im Ermessen derjenigen, die sich an dieser Regel orientieren.

Beziehungen unterscheiden sich im Ausma?, in dem obligatorische Regeln oder Ermessensregeln dominieren. Eine Studie von Munoz und De Los Reyes (2021) zeigt, dass hier der individuellen Personlichkeit der Beteiligten eine bedeutsame Rolle zukommt:

Die Autor:innen befragten Student:innen, wie stark sie obligatorische Regeln oder Ermessensregeln bejahten. Zudem wurde die Auspragung der Befragten in den Personlichkeitsmerkmalen der sogenannten “dunklen Triade” erhoben: Machiavellismus (Manipulation), Narzissmus (Egozentrismus) und Psychopathy (antisoziale Grundhaltungen und Impulsivitat).

  • Die Autor:innen beobachteten, dass Ermessensregeln umso starker bejaht wurden, desto hoher die Auspragungen in Psychopathie und Machiavellismus ausfielen. Psychopathy fuhrte zusatzlich zu einer starken Reduktion der Bejahung von obligatorischen Regeln.

Diese Ergebnisse spiegeln insofern den manipulatorischen Charakter des Machiavellismus wider, der die Mittel mit dem eigenen Ziel rechtfertigt, sowie die generalisiert antisoziale Komponente der Psychopathie, die global jede Notwendigkeit zur Ehrlichkeit verneint.

Ohne individuelle Veranderungsmoglichkeiten ausschlie?en zu wollen, ist die Wahrscheinlichkeit fur eine ehrliche Beziehung bereits eine Frage der Partnerwahl, also mit welchem Menschen eine Beziehung begonnen wird:

  • Treffen Sie auf Menschen mit stark manipulativen Zugen, der Uberzeugung, dass ein Ziel alle Mittel rechtfertige oder gar auf Menschen mit dezidiert antisozialen Einstellungen, werden Sie wahrscheinlich kaum Ehrlichkeit erwarten konnen.

Was kurzfristig als faszinierend erlebt werden mag, kann spater zur Quelle von Leid und seelischem Schmerz werden. Im schlimmsten Fall landen sie so in einer toxischen Beziehung (siehe den vorherigen Artikel zum Schutz vor emotionalem Missbrauch und toxischen Beziehungen).

  • So zeigte eine Studie von Mogilski et al. (2019), dass mit Abstand das Personlichkeitsmerkmal Ehrlichkeit fur die Partnerwahl von den 918 Befragten als wichtiges Merkmal erachtet wurde. Dabei traten keine Unterschiede zwischen Mannern und Frauen auf.

Diese starke Praferenz fur Ehrlichkeit bei Beziehungspartner:innen ist bereits ab einem fruhen Lebensalter vorhanden, wie eine Studie von Weber und Ruch (2012) mit 174 Befragten (87 Paaren) im Alter von 13 bis 19 Jahren zeigte:

Daruber hinausgehend konnte diese Studie aber auch einen klaren Einfluss der wechselseitigen Ehrlichkeit (als Charaktermerkmal) in Paarbeziehungen auf die eigene Lebenszufriedenheit nachweisen:

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